Die Wohnrakete ist tot – es lebe der Schwedenpanzer

Leider hat mein geliebter Kackpoo den letzten Sommerurlaub nicht unbeschadet überstanden – den Trip nach Kroatien hat die Kupplung gekillt. Auf die Erfahrung, mit schreiendem Ausrücklager die Alpen zu überqueren, vier Stunden lang im Stop-and-go-Verkehr vorm Karawankentunnel die Blicke auf sich zu ziehen (amüsierte, mitleidige, ungläubige), hätte ich verzichten können – war aber irgendwie auch ein kleines Abenteuer.

Die Freuden französischer Ingenieurskunst und zu viele Baustellen

Anyway: Nach der Rückkehr in Deutschland wollte ich die Kupplung in der Mietwerkstatt wechseln – das entpuppte sich als mein Vietnam. Französische Ingenieure lieben es offensichtlich, die Dinge kompliziert zu gestalten. Letztendlich fanden wir auf dem Weg zur Demontage so viele weitere Baustellen, dass wir nach drei Stunden den Schraubenschlüssel warfen und kapitulierten. Nach vielen unangenehmen Telefonaten mit Autoankäufern aller Nationen befand sich der Kackpoo schließlich auf dem Transporter in Richtung Ukraine. Ob er da jetzt als Familienkutsche dient oder als Schützenpanzer für prorussische Separatisten – ich wünsch‘ ihm alles Gute.

Mein neuer Alter: Ein Volvo 940 von 1997

Mein neuer Alter: Ein Volvo 940, gebaut 1997, getauft auf den Namen "Fat Toni".
Mein neuer Alter: Ein Volvo 940, gebaut 1997, getauft auf den Namen „Fat Toni“.

Nachdem die Tränen getrocknet waren stellte sich die Frage nach einem neuen Alten. Reicht ein Kleinwagen? Muss es wirklich ein Campingfähiger Kasten sein? Oder einfach nen Kombi? Vom VW Polo über Fiat Doblo bis zum Skoda Oktavia war eigentlich alles im Gespräch. Aber dann kam alles ganz anders: Auf einer Party kam ich mit jemandem über das Thema ins Gespräch. Er schwärmte von dem Volvo 940, den sein Sohn seit zwei Jahren fährt. Massig Stauraum, komfortable Ausstattung und irgendwie auch Style. Schließlich riet er mir, mich doch einfach mit dem ortsansässigen Volvo-Schrauber in Verbindung zu setzen. „Der Olaf ist total OK! Du sagst ihm, was dein Budget ist und er schaut sich für dich um.“ „Hm … ok. Schaden kann’s ja nicht.“

Das kurze Telefonat:

„Ich hab‘ an aneine 740er oder 940er gedacht – das Budget liegt so bei 2500 bis 3000 Euro.“

„Austtattung?“

„Hm … keine Ahnung. Klimaanalge muss nicht, Fenster kann ich gern selbst kurbeln, Airbag und Servolenkung wären gut, wenn’s einer mit Dachreling ist wäre super.“

„Alles klar – Ich melde mich!“

Zwei Wochen später:

„Ich hätte da einen für Sie. Liegt ein bisschen über dem Budget, hat dafür aber alles was sie wollten und zusätzlich noch Klimaanlage, Sonnendach und Teillederausstattung. Top Zustand.“

Um es kurz zu machen, es war liebe auf den ersten Blick. Als der Wagen aus der Werkstatt fuhr stand sowohl für mich als auch meine bessere Hälfte fest: Der isses! Dann nach der Probefahrt: Der isses definitiv! Der Wagen passte einfach super. Vom Aussehen, vom Fahrgefühl, von der Ausstattung. Das serienmäßig verbaute Gepäckgitter war dann noch wie ein Wink des Schicksals – wir waren kurz davor, eine Hundedame aus dem Tierheim zu holen. Noch am selben Tag ging’s ab zur Zulassungsstelle.

Fazit nach einem halben Jahr

Inzwischen fahre ich meinen Volvo 940 seit etwa sieben Monaten und bin voll zufrieden – auch wenn er ein paar Macken hat:

Das Sonnendach war undicht, das hatten wir bereits bei der Probefahrt bemerkt. Der Händler versicherte aber, es sobald als möglich auszutauschen – und hielt Wort.

Die Tankanzeige spinnt. Gekauft habe ich den Wagen mit (scheinbar) halbvollem Tank. Nach etwa 150 Kilometern wollte ich ihn dann voll machen und kam ins Grübeln: 60 Liter gingen von der Zapfsäule in den Tank. Sollte der tatsächlich mehr als 100 Liter fassen? Kurze Recherche: er fasst 70. Dass die Nadel der Tankanzeige auch bei vollem Tank nur bis zur Hälfte ausschlug brachte dann die Sicherheit – da ist der Wurm drin. Nichts ungewöhnliches bei dem Modell. Also ging der Wagen zurück zum Händler – der konnte den Fehler nicht finden. Der Geber am Tank war ok, die Leitungen alle in Ordnung. Sein Versprechen: Wenn er ein passendes Kombiinstrument da hat, tauscht er es und wir schauen was passiert.

Bis dahin nutze ich einfach den Tageskilometerzähler – bei 550 km steuere ich die nächste Tanke an. Womit wir auf einen weiteren Wermutstropfen kommen: Der Verbrauch. Wenn man lange einen leistungsschwachen Diesel gefahren ist, der mit 7 Litern auf 100 Kilometer auskam, dann ist ein durstiger Bentiner mit 165 PS und etwas mehr Gewicht gewöhnungsbedürftig. Nach einigen Tankstops liege ich bei 10 bis 11 Litern auf 100 Kilometer. Das ist ok und sorgte beim Händler bereits für gehobene Augenbrauen: „Da liegen sie aber gut unterm Durchschnitt!“

Alles in allem bin ich also sehr zufrieden mit meinem Schwedenpanzer. Und da er jede Menge Platz bietet steht auch die Überlegung im Raum, auch aus ihm einen Minicamper zu machen. Quasi nach dem Motto: „Die Wohnrakete ist tot – Lang lebe die Wohnrakete!“

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